Mittwoch, 4. November 2015

Düsseldorf, K21, The Problem of God - ein kurzer Nachtrag



Hat sich jemand gewundert, dass nach der großartigen Ankündigung ein fast unheimliches Schreiberling-Schweigen herrscht? Das hat seinen Grund.

Pawel Büchlers "The Problem of God"
gab der Ausstellung ihren Namen
und ist Station 7 des unauffindbaren Pilgerwegs:


Die Ausstellung ist grottenschlecht, und zwar so grottenschlecht wie keine der in den letzten Jahren besuchten.

Diese Meinung hat tatsächlich auch mit dem Thema zu tun: Diese christliche Ikonographie ist mir fremd, dieses wollüstige Leiden, diese blutigen Christusse (einen offiziellen Duden-Plural gibt's gar nicht) ...

Allerdings gibt es noch weitere fundamentale Kritik:
Die Ausstellung ist bedauerlicherweise das, was sie nicht zu sein verspricht. Viele Sätze wurden bei der Pressekonferenz darauf verwendet, sich gegenüber der Bischofskonferenz (die die Ausstellung angeregt hat und großzügig sponsert) abzugrenzen: Man sei keine offizielle katholische Ausstellung, hier werde nicht das gezeigt, was in einer Kirche gezeigt würde (was ich bezweifel) usw., usw. 
"The Problem of God" ist aber tatsächlich (sogar offen ausgesprochen und ohne den Widerspruch zu Vorherigem zu bemerken) eine christliche Ausstellung, mit kritischen Untertönen, sicher, aber irgendwie auch sehr kirchlich-christlich.

Das zweite ist - und auch das sieht man von Organisatorenseite anders: Wer einen roten Faden oder eine Story außer eben, dass irgendwelche Künstler etwas zur typisch christlichen Zeichensetzung fabriziert haben, findet, soll gerne einen selbigen von mir erhalten! 
Die Kunstwerke selbst bleiben blass in einer solchen uninspirierten Präsentationsfolge (eine Ausnahme könnten Bill Violas "The Quintet of the Astonished" und James Turrells großartiger Raum der Dämmerung bilden). Die Werke wurden zusammengewürfelt, ich kann mir nicht helfen, einen Pilgerweg (der überall groß angekündigt wird) finde ich nicht.


Mehr als wortkarg darf man diese Ausstellung nicht besprechen.

  • Und ich bin nicht allein mit den Zweifeln: SWR-Besprechung.
  • The Problem of God - Laufzeit: 26.09.2015 – 24.01.2016
  • Ort: K21 Ständehaus
  • K21-Infos: The Problem ...
  • Öffnungszeiten: Di-Fr 10-18 Uhr, Sa + So 11-18 Uhr, montags geschlossen (außer an Feiertagen).
  • Eintrittspreise: 10,- bis 12,- Euro, Kombiticket K20 + K21 18,- Euro (ermäßigt 14,00 Euro). Schüler und Kinder zwischen 6 und 18 Jahren 2,50 (Kombiticket 4,00 Euro). Kostenloser, freier Eintritt an jedem 1. Mittwoch im Monat von 18 - 22 Uhr.
  • Katalog: Ca. 400 Seiten für 39,90 Euro, die ebenfalls verdeutlichen, wie schlecht die Ausstellung ist.
  • Öffentliche Führungen: dienstags, 16.30 - 17.30 Uhr, sonn- und feiertags, 15.00 - 16.00 Uhr.
Beteiligte Künstlerinnen und Künstler
Georges Adéagbo, Eija-Liisa Ahtila, Francis Alÿs, Francis Bacon, Michaël Borremans, Pavel Büchler, Andrea Büttner, Flavio de Carvalho, Paul Chan, Berlinde De Bruyckere, Tacita Dean, Andrew Esiebo, Harun Farocki, Katharina Fritsch, Douglas Gordon, Gary Hill, Emma Kay, Hubert Kiecol, Katarzyna Kozyra, Little Warsaw, Thomas Locher, Kris Martin, Aernout Mik, Boris Mikhailov, Santu Mofokeng, Hermann Nitsch, Robert Rauschenberg, Ad Reinhardt, Rosemberg Sandoval, James Turrell, Bill Viola, Paloma Varga Weisz, Danh Võ und Aby Warburg.

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